So lernst du Geopolitik

Du brauchst kein Studium, um Geopolitik zu lernen. Aber es hilft, in der richtigen Reihenfolge vorzugehen: zuerst die Karte, dann ein Dutzend Grundideen, die Geschichte, die großen Akteure und zum Schluss die Nachrichten. Hier findest du diesen Weg, mit kostenlosen Quellen für jeden Schritt.

Fred W. Roses satirische Europakarte von 1877: Jedes Land ist als Figur gezeichnet, Russland als riesiger Krake, der nach seinen Nachbarn greift
Fred W. Rose, Serio-Comic War Map for the Year 1877. PJ Mode Collection, Cornell University. Gemeinfrei.

Du hörst in den Nachrichten von Taiwan, der Straße von Hormus oder der NATO und willst verstehen, was wirklich dahintersteckt? Dann fang hier an. Du musst weder Politik noch Geschichte studiert haben. Du brauchst Neugier und die Bereitschaft, dir Karten anzusehen.

Schritt 1: Die Karte lernen

Wer Nachrichten nicht versteht, scheitert meistens an der Geografie. Man hört „Straße von Hormus“ oder „Südchinesisches Meer“ und kann sich nicht vorstellen, wo diese Orte liegen oder warum sie wichtig sind. Geopolitik beginnt damit, wo etwas liegt.

Was du zuerst lernen solltest: die Kontinente und ihre wichtigsten Länder, die Ozeane und Meere, die wichtigsten maritimen Nadelöhre und die natürlichen Barrieren, die Grenzen und Kriege prägen. Nadelöhre sind die engen Meerengen und Kanäle, durch die der Großteil des Seehandels muss. Diese Barrieren tauchen am häufigsten auf: der Himalaya (er trennt Indien von China), die Alpen (sie teilen Europa in Nord und Süd), der Kaukasus (zwischen Russland und dem Nahen Osten) und die Nordeuropäische Tiefebene (der flache Korridor von Frankreich bis Russland, durch den seit Jahrhunderten Armeen marschieren).

So lernst du sie: Mach das Weltgeografie-Quiz und schau, wie du abschneidest. Arbeite dann die regionalen Kartenquiz zu Europa, dem Nahen Osten und Afrika durch. Lies den Leitfaden zu den Nadelöhren, um zu verstehen, warum enge Wasserstraßen so wichtig sind. Zum zusätzlichen Üben eignet sich Seterra (kostenlos, unter seterra.com). Dort benennst du Länder und Meere auf leeren Karten, bis sie sitzen.

Du bist bereit für Schritt 2, wenn du Taiwan, die Ukraine, Iran und die Straße von Malakka auf einer leeren Karte findest und jeweils sagen kannst, welche Länder angrenzen.

Schritt 2: Ein Dutzend Grundideen lernen

Wenige Ideen erklären das meiste von dem, was Staaten tun. Du musst keine akademische Theorie lesen. Es reicht, etwa ein Dutzend Konzepte so gut zu verstehen, dass du sie in den Nachrichten wiedererkennst.

Fang mit der Frage an, was Geopolitik eigentlich ist. Arbeite dann diese Ideen durch. Zu jeder gibt es auf der Website eine kurze Erklärung:

  • Geografie setzt Grenzen. Gebirge, Flüsse, Häfen und Klima bestimmen, was ein Land tun kann und was nicht.
  • Nadelöhre. Wer die enge Passage kontrolliert, kontrolliert den Handel, der hindurchfließt.
  • Gleichgewicht der Mächte. Wird ein Land zu stark, schließen sich andere gegen es zusammen.
  • Das Sicherheitsdilemma. Ein Land rüstet zur Verteidigung auf. Sein Nachbar sieht darin eine Bedrohung und rüstet ebenfalls. Am Ende sind beide weniger sicher.
  • Pufferstaaten und Einflusssphären. Großmächte wollen an ihren Grenzen befreundete oder zumindest neutrale Länder.
  • Hard Power und Soft Power. Gewalt und Geld sind Hard Power. Kultur, Bildung und Diplomatie sind Soft Power. Beide entscheiden mit, wie die Dinge ausgehen.
  • Abschreckung und gegenseitig zugesicherte Zerstörung. Atomwaffen machen einen direkten Krieg zwischen Großmächten fast undenkbar.
  • Sanktionen. Handel und Finanzströme kappen, um eine Regierung unter Druck zu setzen, ohne einen Schuss abzugeben.
  • Stellvertreterkriege. Großmächte bekämpfen sich über lokale Kräfte statt direkt.
  • Bündnisse. Formelle Verpflichtungen wie die NATO und lose Gruppen wie die BRICS verändern, wer wem gegenüber was tun kann.

Diese Ideen tauchen ständig wieder auf. Sobald du sie kennst, ergeben Nachrichten wie von selbst Sinn.

Du bist bereit für Schritt 3, wenn du einen Nachrichtenbeitrag etwa zum Krieg zwischen Russland und der Ukraine siehst und darin das Sicherheitsdilemma, die Logik des Pufferstaats und die Rolle der Sanktionen erkennst, ohne dass dich jemand darauf hinweist.

Schritt 3: Die Geschichte lernen, die die Karte bis heute prägt

Jeder aktuelle Konflikt hat eine Geschichte, auf die sich beide Seiten berufen. Du musst nicht die ganze Geschichte lernen. Du brauchst das Minimum, das immer wieder auftaucht.

Zu diesem Minimum gehören:

  • Der Westfälische Frieden (1648) und die Idee, dass jeder Staat innerhalb seiner Grenzen souverän ist. Darauf beruht das internationale System bis heute.
  • Das Zeitalter der Imperien und des Kolonialismus. Europäische Mächte zogen Grenzen durch Afrika, den Nahen Osten und Asien und nahmen dabei kaum Rücksicht auf die Menschen, die dort lebten. Viele dieser Grenzen bestehen noch heute. Lies, warum so viele Grenzen in Afrika gerade Linien sind und wie das Sykes-Picot-Abkommen den Nahen Osten geprägt hat.
  • Die beiden Weltkriege. Sie zerstörten die alten europäischen Imperien und schufen die Weltordnung, die bis heute besteht.
  • Der Kalte Krieg. Die USA und die Sowjetunion teilten die Welt 45 Jahre lang in Blöcke. Viele heutige Bündnisse, Konflikte und Grenzen stammen aus dieser Zeit.
  • Der Zerfall der Sowjetunion. Die Sowjetunion zerfiel in 15 Staaten. Russland ging daraus kleiner, ärmer und verbittert hervor.
  • Chinas „Jahrhundert der Demütigung“ und sein Aufstieg. Von etwa 1839 bis 1949 teilten ausländische Mächte China unter sich auf. Diese Erinnerung prägt Chinas Außenpolitik bis heute.

Am besten gehst du so vor: Folge der Geschichte hinter den Themen, die dich interessieren. Interessiert dich der Nahe Osten, fang mit dem Zerfall des Osmanischen Reichs und Sykes-Picot an. Geht es dir um die Rivalität zwischen den USA und China, fang mit Chinas Jahrhundert der Demütigung und dem Kalten Krieg in Asien an.

Du bist bereit für Schritt 4, wenn du in wenigen Sätzen erklären kannst, warum die Grenzen des Irak so verlaufen, wie sie verlaufen, oder warum Russland die NATO-Erweiterung als Bedrohung sieht.

Schritt 4: Die großen Akteure einzeln kennenlernen

Die Länder, die das Weltgeschehen prägen, sind die USA, China, Russland, die Europäische Union (als Block), Indien und die Mächte im Nahen Osten: Iran, Saudi-Arabien, die Türkei und Israel.

Beantworte für jedes davon drei Fragen: Was will es? Was fürchtet es? Was gibt ihm die Geografie, und was verwehrt sie ihm?

  • Die USA werden von zwei Ozeanen geschützt und haben das stärkste Militär der Welt. Um weit entfernt von zu Hause Macht auszuüben, sind sie aber auf Verbündete und Stützpunkte angewiesen. Fang mit der Frage an, ob das amerikanische Imperium im Niedergang ist.
  • China hat eine riesige Bevölkerung und die größte Industriebasis der Welt. Doch eine Inselkette von Japan bis zu den Philippinen umschließt seine Küste, und der größte Teil seines importierten Öls kommt durch die Straße von Malakka.
  • Russland hat das größte Staatsgebiet der Welt, aber nur wenige eisfreie Häfen und eine schrumpfende Bevölkerung. Lies, wie Russland zum größten Land der Erde wurde.
  • Indien hat eine junge Bevölkerung und eine schnell wachsende Wirtschaft. Seine Grenzen zu China und zu Pakistan sind aber beide umstritten. Lies, ob Indien das nächste China wird.
  • Die Europäische Union ist einer der größten Märkte der Welt, aber ihre 27 Mitglieder tun sich schwer, in der Außenpolitik geschlossen aufzutreten. Lies, wie die EU tatsächlich Entscheidungen trifft.
  • Die Mächte im Nahen Osten ringen um Einfluss in der Region. Die Rivalität zwischen Iran und Saudi-Arabien zieht sich durch viele ihrer Kriege, vom Jemen bis Syrien. Lies, warum Iran und Saudi-Arabien Feinde sind.

Die Länderprofile auf dieser Website decken 44 Länder ab, jeweils mit Staatsführung, Verbündeten, Rivalen, Handelspartnern und militärischen Rankings.

Du bist bereit für Schritt 5, wenn du eine Meldung etwa über chinesische Militärübungen vor Taiwan liest und erklären kannst, was China will, was die USA fürchten und was die Geografie der Taiwanstraße für beide Seiten bedeutet.

Schritt 5: Die Nachrichten mit vier Fragen verfolgen

Wähle wenige Quellen aus. Eine Nachrichtenagentur (Reuters oder Associated Press) liefert dir die Fakten ohne Färbung. Eine Wochenzeitung oder ein Magazin (The Economist oder Foreign Affairs) liefert dir Analyse mit Kontext. Lies mindestens eine Quelle von außerhalb deines eigenen Landes.

Stell dir bei jeder Meldung vier Fragen:

  1. Wer will was? Nenne die Länder, Staatschefs oder Gruppen und was jede Seite erreichen will.
  2. Was sagt die Karte? Wo passiert es, und wie bestimmt die Geografie, wer im Vorteil ist?
  3. Wer hat ein Druckmittel? Geld, Energie, Waffen, Stimmen in der UNO oder die Kontrolle über ein Nadelöhr.
  4. Was ist beim letzten Mal passiert? In der Geopolitik ist fast nichts neu.

Nimm als Beispiel die Sperrung der Straße von Hormus durch Iran am 28. Februar 2026, wenige Stunden nach Luftangriffen der USA und Israels auf Iran:

  • Wer will was? Iran wollte den Krieg für die ganze Welt teuer machen. Die USA und die Golfstaaten wollten die Meerenge offen halten.
  • Was sagt die Karte? Die Meerenge ist an ihrer engsten Stelle 39 km breit, und Iran kontrolliert ihr gesamtes Nordufer. Vor der Sperrung lief etwa ein Fünftel des weltweiten Öls durch sie.
  • Wer hat ein Druckmittel? Iran kann Schiffe von der eigenen Küste aus mit Raketen, Drohnen und Minen bedrohen, und die US Navy hat die stärkste Flotte in der Region. Die Länder an der Spitze des Rankings der Hormus-Abhängigkeit hatten am meisten zu verlieren.
  • Was ist beim letzten Mal passiert? Im Iran-Irak-Krieg in den 1980er-Jahren griffen beide Seiten Tanker im Golf an, und am Ende eskortierte die US Navy die Schiffe.

Nutze die Karte der umstrittenen Gebiete und die Seite zu den Bündnissen zum Nachschlagen, während du Nachrichten liest.

Sei vorsichtig bei Quellen, die Gewissheit verkaufen. Kommentatoren, die dir sagen, sie wüssten, was als Nächstes passiert, liegen fast immer falsch. Zu verstehen, warum etwas passiert, ist nützlicher, als vorherzusagen, was passieren wird.

Du bist bereit für Schritt 6, wenn du eine Meldung liest, die vier Fragen darauf anwendest und danach ein klareres Bild hast, als es dir die Schlagzeile gegeben hat.

Schritt 6: Behauptungen mit Daten prüfen

Zahlen entscheiden viele Streitfragen. Sagt jemand: „Chinas Militär holt gegenüber Amerika auf“, kannst du im Ranking der Militärausgaben nachsehen. Behauptet jemand, ein Land „bricht zusammen“, kannst du dir sein BIP, seine Bevölkerung und sein Medianalter ansehen.

Die Länder-Rankings der Website umfassen 28 Kennzahlen, von Atomwaffen über die Ölförderung bis zur Frage, wem die US-Schulden gehören.

Wenn du tiefer einsteigen willst, lohnen sich drei kostenlose Quellen als Lesezeichen: SIPRI für Militärausgaben und Rüstungsexporte, World Bank Open Data für Entwicklungsindikatoren und Our World in Data für Diagramme zu allem von Energie bis Bevölkerung.

Du bist bereit für Schritt 7, wenn du eine Behauptung aus einem Podcast mit einer konkreten Zahl und ihrer Quelle stützen oder widerlegen kannst.

Schritt 7: Damit das Wissen bleibt

Einmal etwas über Geopolitik zu lesen, ist noch kein Lernen. In den 1880er-Jahren stellte der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus fest, dass er mehr als die Hälfte dessen, was er auswendig gelernt hatte, innerhalb eines Tages vergaß, wenn er es nicht wiederholte. Spätere Studien finden immer wieder dieselbe Kurve. Zwei Methoden wirken weit besser als erneutes Lesen.

Prüfe dich selbst. Wenn du ein Thema abgeschlossen hast, schließ die Seite und schreib aus dem Gedächtnis eine Zusammenfassung von einem Absatz. Erkläre eine Nachricht einer Freundin, einem Freund oder jemandem aus deiner Familie. Wenn du sie nicht einfach erklären kannst, hast du sie noch nicht verstanden. Mit den Quiz auf dieser Website prüfst du schnell, was wirklich hängen geblieben ist.

Verteilte Wiederholung. Dabei wiederholst du einen Fakt kurz bevor du ihn vergessen würdest und wartest bis zur nächsten Wiederholung dann etwas länger. Das ist eine der effizientesten Methoden, Wissen ins Langzeitgedächtnis zu bringen. Orbis nutzt diese Methode: Die über 4.900 Karteikarten gehören zu den Lektionen, die du abschließt, und die App legt dir jede Karte im richtigen Abstand wieder vor. So musst du deine Wiederholungen nicht selbst planen.

Der Karteikartenstapel in der Orbis-App
Eine Lektion in der Orbis-App

Ein Vierwochenplan für den Einstieg

Woche Schwerpunkt 20 bis 30 Minuten am Tag
1 Die Karte Mach das Weltgeografie-Quiz und die regionalen Kartenquiz. Lies den Leitfaden zu den Nadelöhren. Übe mit Seterra, bis du jedes Land einer Region benennen kannst.
2 Grundideen Lies, was Geopolitik ist. Arbeite die Lexikoneinträge zu Gleichgewicht der Mächte, Sicherheitsdilemma, Pufferstaaten und Sanktionen durch.
3 Geschichte Wähle eine Epoche, die für ein Thema wichtig ist, das dich interessiert. Lies den passenden Blogartikel und mach den passenden Kurs oder das passende Quiz. Der Kurs zum Kalten Krieg ist ein guter Ausgangspunkt.
4 Ein großer Akteur und die Nachrichten Lies ein Länderprofil gründlich. Wende die vier Fragen jeden Tag auf eine Meldung an.

Wiederhole nach Woche 4 die Schritte 3 und 4 für die nächste Region oder das nächste Land, das dich interessiert. Jeder Durchgang geht schneller, weil die Grundideen und die Karte schon sitzen.

Die besten Bücher, Podcasts und Kanäle

Bücher für den Einstieg

  • Prisoners of Geography von Tim Marshall (2015): Das beste erste Buch. Zehn Karten, zehn Kapitel darüber, wie die Geografie die Macht Russlands, Chinas, der USA und anderer Länder prägt. Eine überarbeitete Ausgabe (2025) behandelt den Krieg in der Ukraine und Gaza.
  • The Power of Geography von Tim Marshall (2021): Die Fortsetzung, unter anderem zu Australien, Iran, Saudi-Arabien, der Türkei und dem Sahel.
  • The Revenge of Geography von Robert D. Kaplan (2012): Tiefer als Marshall, mit mehr Geschichte und Theorie. Ein gutes zweites Buch.
  • Chip War von Chris Miller (2022): Wie Halbleiter zur umkämpftesten Technologie der Welt wurden. Konkret und aktuell.
  • The Silk Roads von Peter Frankopan (2015): Weltgeschichte aus der Sicht Zentralasiens und des Nahen Ostens statt aus der Sicht Europas. Lang, aber es verändert deinen Blick auf die Karte.
  • Destined for War von Graham Allison (2017): Die These der „Thukydides-Falle“: Steuern ein aufstrebendes China und die USA auf einen Krieg zu? Klar geschrieben und um eine große Idee herum aufgebaut.
  • The Tragedy of Great Power Politics von John Mearsheimer (2001): Die akademische Begründung dafür, warum Großmächte immer miteinander konkurrieren. Anspruchsvoller. Lies vorher Marshall oder Kaplan.

Ein Hinweis zu Peter Zeihan: Seine Bücher (beginnend mit The Accidental Superpower, 2014) werden viel gelesen und machen Geografie anschaulich. Sie enthalten aber sehr selbstsichere Vorhersagen (demografischer Kollaps, Zeitpläne für die Deglobalisierung), die man kritisch lesen sollte.

Podcasts

  • The Rest Is Politics: Alastair Campbell und Rory Stewart, ein ehemaliger Labour-Stratege und ein ehemaliger konservativer Minister, streiten über das aktuelle Geschehen. Meist geht es um britische Politik, mit regelmäßigen Folgen zur Weltpolitik.
  • The Rest Is History: Tom Holland und Dominic Sandbrook. Gründliche, unterhaltsame Geschichtsfolgen. Über 700 Folgen, von Rom bis zum Kalten Krieg.
  • The Foreign Affairs Interview: Daniel Kurtz-Phelan, Chefredakteur von Foreign Affairs, interviewt Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger.
  • Geopolitics Decanted: Dmitri Alperovitch spricht mit Analysten und Regierungsvertretern über aktuelle geopolitische Fragen.
  • War on the Rocks: Ryan Evans und Gäste sprechen über Verteidigungspolitik, Militärstrategie und nationale Sicherheit.
  • The Intelligence: Der tägliche Nachrichtenpodcast des Economist, moderiert von Jason Palmer und Rosie Blau. Drei Themen an jedem Wochentag.

YouTube-Kanäle

  • CaspianReport: Shirvan Neftchi. Analysen zu Ländern und Regionen, mit Karten. Klar und gut recherchiert.
  • Perun: Einstündige Vorträge mit Folien über Verteidigungsökonomie, Rüstungsbeschaffung und laufende Kriege. Detailliert und voller Daten.
  • Wendover Productions: Sam Denby. Logistik, Infrastruktur und Lieferketten, mit starken Grafiken erklärt.
  • Good Times Bad Times: Hubert, ein polnischer Creator. Jede Woche lange Videos zu Geopolitik, Wirtschaft und internationalen Beziehungen.

Kostenlose Kurse und Nachschlageseiten

  • CFR Education: Kostenlose, überparteiliche Materialien des Council on Foreign Relations, darunter Zeitleisten, Unterrichtsentwürfe und Simulationen.
  • Global Affairs Explained auf Coursera: Eine Spezialisierung aus drei Kursen von CFR Education. Das erste Modul jedes Kurses kannst du dir kostenlos ansehen. Für den Rest brauchst du ein Coursera-Abo oder finanzielle Unterstützung.
  • MIT OpenCourseWare 17.41: Introduction to International Relations, mit Lehrplan, Vorlesungsnotizen und Folien. Kostenlos.
  • CFR Global Conflict Tracker: Eine interaktive Karte der Kriege und Krisen, die der Council on Foreign Relations beobachtet, mit einer Hintergrundseite zu jedem davon. Kostenlos.

Nachrichtenquellen

  • Reuters oder Associated Press für Fakten. Nachrichtenagenturen berichten, was passiert ist, und deuten dabei so wenig wie möglich.
  • The Economist oder Foreign Affairs für Analysen. Beide erklären, warum ein Thema wichtig ist und was daraus folgen könnte.
  • Lies mindestens eine Quelle von außerhalb deines eigenen Landes. Jeder hat blinde Flecken, und deine eigenen sieht man von außen leichter.

Einen Vergleich von Apps, mit denen du Geopolitik lernen und verfolgen kannst, findest du im Ratgeber zu Geopolitik-Apps.

Typische Fehler von Einsteigern

Mit schwerer Theorie anfangen statt mit der Karte und konkreten Geschichten. Bücher von John Mearsheimer oder dem britischen Geografen Halford Mackinder sind wichtig. Sie sind aber schwer zu verdauen, wenn du dir die Orte nicht vorstellen kannst, die sie beschreiben. Lerne zuerst die Karte und ein paar aktuelle Themen. Danach ergibt die Theorie viel mehr Sinn.

Nur die Nachrichten verfolgen, ohne die Geschichte. Die Nachrichten sagen dir, was heute passiert. Ohne Geschichte kannst du nicht erkennen, ob etwas neu ist oder ein Muster, das sich seit Jahrzehnten wiederholt. Wenn Iran und Saudi-Arabien aneinandergeraten, hilft es zu wissen, dass die Rivalität viel älter ist als die heutigen Machthaber.

Einem einzigen Kanal oder den Medien eines einzigen Landes vertrauen. Jede Quelle hat eine Perspektive. Amerikanische Medien sehen die Welt durch die Brille amerikanischer Interessen. Russische Staatsmedien dienen der russischen Regierung. Auch gute Medien haben blinde Flecken. Lies zu jedem großen Thema mindestens zwei Quellen aus verschiedenen Ländern.

Vorhersagen mit Verständnis verwechseln. Manche Kommentatoren sagen jedes Jahr Zusammenbruch, Krieg oder Revolution voraus, und ihr Publikum erinnert sich an das eine Mal, als sie recht hatten. Zu verstehen, warum etwas passieren könnte, ist nützlich. Jemandem zu vertrauen, der sagt, es werde bis zu einem bestimmten Datum passieren, ist es meistens nicht.

Geografie für Schicksal halten. Die Geografie bestimmt, was Länder tun können, aber die Entscheidungen treffen Menschen. Länder mit wenigen Rohstoffen wie Japan und Singapur haben wohlhabende Gesellschaften aufgebaut. Andere mit fruchtbarem Land und langen Küsten sind wegen schlechter Regierungsführung arm geblieben. Mehr über die Grenzen geografischen Denkens erfährst du im Artikel Was Geopolitik ist und was nicht.

Häufige Fragen

Kann man Geopolitik selbst lernen?

Ja. Viele, die Geopolitik gut verstehen, haben sie sich selbst beigebracht: mit Büchern, Karten, Podcasts und indem sie die Nachrichten verfolgt haben. Ein Studium der internationalen Beziehungen hilft, ist aber nicht nötig. Der Weg oben deckt die Grundlagen in einer praktischen Reihenfolge ab, größtenteils mit kostenlosen Quellen.

Wie lange dauert es, Geopolitik zu lernen?

Mit 20 bis 30 Minuten am Tag kannst du nach etwa einem Monat den wichtigsten Themen in den Nachrichten folgen. Nach etwa drei Monaten kannst du die meisten davon anderen erklären. Mit Geopolitik wird man nie fertig. Die Welt verändert sich ständig, und zum Können gehört auch die Gewohnheit, auf dem Laufenden zu bleiben.

Womit fange ich an, wenn ich Geopolitik lernen will?

Mit der Karte. Wer beim Nachrichtenlesen den Faden verliert, scheitert meistens an der Geografie. Lerne, wo die wichtigsten Länder, Meere, Nadelöhre und Gebirge liegen, bevor du dich mit der Politik beschäftigst. Sobald du dir vorstellen kannst, wo etwas liegt, ist die Politik viel leichter zu verstehen.

Welches Buch eignet sich am besten für den Einstieg in die Geopolitik?

Prisoners of Geography von Tim Marshall. Es behandelt zehn Regionen in zehn Kapiteln, jedes um eine Karte herum aufgebaut, und ist für Leser ohne Vorwissen geschrieben. Eine überarbeitete Ausgabe von 2025 ergänzt den Krieg in der Ukraine und Gaza. Danach gehst du mit The Revenge of Geography von Robert D. Kaplan tiefer.

Muss man internationale Beziehungen studieren, um Geopolitik zu verstehen?

Nein. Ein Studium gibt dir eine strukturierte Lektüre und Zugang zu Professoren, aber der Kernstoff ist kostenlos verfügbar. Die oben genannten Bücher, Podcasts, Datenquellen und kostenlosen Kurse decken vieles davon ab. Wichtiger als ein Abschluss ist die Gewohnheit, breit zu lesen, Behauptungen mit Daten zu prüfen und die Geschichte hinter den Schlagzeilen zu lernen.

Gibt es eine App, um Geopolitik zu lernen?

Ja. Orbis ist eine App für iPhone und Android mit 22 Kursen und über 650 Lektionen, die Geopolitik und Geschichte in der richtigen Reihenfolge vermitteln, mit Karten, Primärquellen und Karteikarten mit verteilter Wiederholung. Sie funktioniert als Abo mit 7-tägiger kostenloser Testphase. Kostenlose Apps helfen bei einzelnen Teilen des Weges, etwa Seterra für die Karte und Ground News für die Nachrichten. Der Ratgeber zu Geopolitik-Apps vergleicht sie.

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